8. Organisiere ein Auto, sonst kommst du nirgends hin

Neuseeland ist ein Autoland. Öffentlicher Verkehr ist nur streckenweise und vor allem in Großstädten vorhanden, aber auf keinen Fall mit Europa zu vergleichen. Entfernungen sind so groß, dass weder gehen noch radfahren eine echte Alternative zum Auto sind.

Neuseeland ist ein Automuseum

Für den typischen Europäer sieht es hier aus wie in einem Automuseum. Es gibt alle Arten von Autos bis ins letzte Jahrhundert hinein zu sehen, nur kaum eines der letzten 10 Jahre. Für den Durchschnittsneuseeländer ist das Auto ein Transportmittel, es bringt dich von A nach B, nichts weiter. Ganz anders zu Europäern, die dazu tendieren, ihre Autos zu verehren und enorme Geldsummen in ihr rollendes Wohnzimmer zu stecken. Neuseeländer kümmern sich nicht um das Aussehen des Autos. Neu oder alt, Kratzer oder Dellen, Hauptsache, es läuft. Neue Autos werden nicht so viele verkauft in diesem Land, Autohändler sind auf den Gebrauchtwagenmarkt fokussiert, etwa zwischen $3.000-$10.000. Auch der Importmarkt Gebrauchter aus Japan blüht.

Eine typische Strassenszene in Motueka, voller ewig alter Autos

Eine typische Strassenszene in Motueka, voller ewig alter Autos

Holprige Straßen

Trotz der sehr niedrigen Geschwindigkeitsbeschränkungen (100 km/h auf Autobahnen und Landstrassen, 50 km/h in Ortschaften) und des nicht vorhandenen Verkehrs, sind die neuseeländischen Strassen relativ gefährlich, und die jährliche Todesrate ist höher als in vielen Ländern mit höherer Bevölkerungsdichte. Wir glauben, dass es dafür mehrere Gründe gibt:

  • Straßenqualität ist schlecht: State Highways (SH), zu Deutsch Bundesstraßen, entlang der Hauptverkehrsrouten sind recht gut gepflegt, aber weniger bekannte Straßen können sehr holprig sein. Viele, teils scharfe Kurven und kaputte, rutschige Oberflächen können bei höherer Geschwindigkeit (>80 km/h) gefährlich sein. Wir sehen eigentlich kaum Autos schneller fahren als die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten (die Strafen dafür sind auch ziemlich hoch).
  • Fragwürdiger Autozustand: Das durchschnittliche Auto ist zwischen 20 und 40 Jahre alt und war höchstwahrscheinlich beim Kauf auch schon ein günstiges Modell mit wenigen Sicherheitsextras. Keine Airbags, Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen, ESP, ABS, Qualitätsreifen, etc. kombiniert mit der minimalistischen asiatischen Machart. Autos müssen ein jährliches „Warranty of Fitness“ (WOF) machen (wie der TÜV in Deutschland und das „Pickerl“ in Österreich), aber mit wesentlich niedrigeren Anforderungen. Wir haben Leute sagen hören: „Wenn es das Auto alleine bis zur Werkstatt schafft, bekommt es auch den WOF-Aufkleber für ein weiteres Jahr.“
  • Schlechte Fahrer: Die meisten Neuseeländer lernen das Autofahren von ihren Eltern im Alter von 15 oder 16. Die Fahrprüfung ist anscheinend nicht sehr anspruchsvoll. Wir haben auch eine große Anzahl sehr alter, aber immer noch autofahrender Leute gesehen, die eigentlich ihren Führerschein abgeben müssten, weil sie eine Gefahr für andere darstellen (ja, wir hatten einen kleinen Unfall, der uns in dieser Beobachtung bestärkt hat). Und Touristen… immer auf der linken Fahrbahnseite bleiben, bitte. Geisterfahrende Touristen kosten leider jedes Jahr mehreren Menschen das Leben.

Das Gute

Im ländlichen Raum der Südinsel zu leben bedeutet, dass man kaum mit Verkehrsstau in Berührung kommt. Sogar im morgendlichen Stoßverkehr zur Schule sehen wir eigentlich nur wenige Autos vor oder hinter uns. In Motueka gibt es keine Kreuzungen mit Verkehrsampeln, was das Fahren generell recht entspannt macht.

Welche Art von Auto?

Bevor man sich für ein Auto entscheidet, sollte man eine Liste machen, was es können soll. Wir kauften auf unserer ersten Reise einen fast zu kleinen Ford Focus. Es war eine Herausforderung, alle 4 grossen Koffer, 4 Handgepäcksstücke und 4 Personen in dieses Auto zu bekommen. Das Ergebnis war ein riesiger Berg gestapelter Taschen in der Mitte der Rückbank. Die Kinder waren nicht glücklich darüber, aber wenigstens hielt sie „der Berg“ zwischen ihnen von Streitereien während der Autofahrt ab.

Unser kleiner Focus, gefüllt bis zum Rand

Unser kleiner Focus, gefüllt bis zum Rand

Mit einem geräumigen SUV liegt man hier nicht falsch. Er bietet nicht nur genug Platz für alle Taschen, sondern ist auch noch in der Lage längere Strecken Schotterstraße mit massivem Schlaglochbefall unbeschadet hinzunehmen. In unseren besten Abenteuerzeiten haben wir uns einige Male auf 30 km (oder mehr) langen Schotterstraßen und -Wegen wiedergefunden (aber man will ja dann doch ans Ziel kommen, also, tief einatmen, und durch!)

Die asphaltierte Strasse verwandelt sich spontan in eine der legendären neuseeländischen Schotterpisten

Die asphaltierte Straße verwandelt sich spontan in eine der legendären neuseeländischen Schotterpisten

Mieten oder kaufen?

Kaufen! Klare Antwort! Mietautos sind für längere Zeiträume viel teurer. Sogar, wenn der Verkaufspreis am Ende geringer ist als geplant, sind wir sicher, dass es günstiger als jedes Mietservice ist.

Option A: Kaufe einen gebrauchten Wagen bei Ankunft

Wenn du auf Überraschungen stehst, warte mit dem Kauf bis du in Neuseeland ankommst. Eine Möglichkeit, zu einer großen Auswahl zu kommen, ist auf Trademe. Bleibe einige Tage in einer größeren Stadt und lass dir Zeit beim Probefahren und Angebote vergleichen – nimm nicht gleich das erste Gefährt.

Überprüfung des Autos

Sobald die Entscheidung für ein Auto gefallen ist, bestehe auf eine Überprüfung vor dem Kauf, idealerweise macht das noch der Verkäufer. Diese Tests können kurzfristig arrangiert bei allen AA offices ($169) oder VTNZ stations ($149) gemacht werden. Falls etwas nicht in Ordnung ist, wird es hier gefunden.

Je nach verfügbarem Budget empfehlen wir einen japanischen Importwagen, weil sie meist hochwertig sind. Bei unserer jüngsten Ankunft haben wir einen dreijährigen Toyota SUV mit 57.000 km gekauft. Es sah aus, als ob nie jemand damit gefahren war. Neuere Autos verlieren anfangs mehr an Wert als uralte, sind aber trotzdem günstiger als Miete.

Unser Toyota Vanguard, gekauft von einem chinesischen Verkäufer in Auckland (der seine Geschäfte über Trademe abwickelt)

Unser Toyota Vanguard, gekauft von einem chinesischen Verkäufer in Auckland (der seine Geschäfte über Trademe abwickelt)

Option B: Kaufe ein neues Auto

Bei unserem ersten Langzeitaufenthalt in Neuseeland wollten wir sicher gehen und haben einen Autokauf über das Internet getätigt. Da wir kein Risiko eingehen wollten, haben wir uns für einen neuen Ausstellungswagen eines grossen Ford Händlers in Christchurch entschieden. Da er bereits geraume Zeit herumstand und dringend verkauft werden sollte, war der Preis akzeptabel. Allerdings … sind wir nicht sicher, ob wir das noch einmal machen würden. Wahrscheinlich würden wir uns eher für die Gebrauchtwagenvariante entscheiden.

Exotische Dieselautos

In Europa fährt die Mehrheit der Autos mit Diesel. Steuervorteile, höhere Effizienz und einfach mehr Kraft sind die Hauptfaktoren in einer Kaufentscheidung. In Neuseeland ist Diesel immer noch etwas exotisch und wird hauptsächlich in der Landwirtschaft, für LKWs und Boote verwendet. Diesel Zapfhähne haben normalerweise riesige Warnschilder, um Kunden davor zu bewahren, das falsche zu tanken.

Auf den ersten Blick scheint Diesel im Vergleich mit Benzin aber lächerlich billig zu sein (Diesel: $1,20, Benzin: $1,90, Mai 2016). Ja, ein Irrglaube! Diesel wird besteuert mit der Road User Charge (RUC). Diese Abgabe muss im vorhinein bezahlt werden, der Betrag ist abhängig von der Art des Fahrzeuges und den bereits gefahrenen Kilometern. Für ein Durchschnittsauto ist diese Steuer etwa $62 pro 1000 km. Das bedeutet für ein Auto, das etwa 7 l/100 km braucht, dass die realen Kosten für diesen Diesel bei $2.10 liegen, also gleich wie Benzin. Deshalb ist es geschickter, gleich einen Benziner zu nehmen, sie sind deutlich leichter wieder zu verkaufen.

 

Diese Oldtimer haben alle noch gültige Nummerntafeln!

Diese Oldtimer haben alle noch gültige Nummerntafeln!

Registrierung

Nummerntafeln sind an das Auto gebunden, bleiben also auch bei einem Verkauf das selbe für den Nachbesitzer. Ausnahmen sind nur die Wunschkennzeichen. Um das neu erworbene Fahrzeug anzumelden, sucht man eine Registrierungsstelle auf (meist AA offices – Automobile Association), zahlt eine kleine Gebühr und bekommt zumeist ohne Wartezeit direkt eine Anmeldung auf den Namen. Autohändler können das ebenfalls erledigen, wenn man Behördengänge nicht mag.

Die „Rego“ ist eine jährliche Gebühr, eine Art Fahrzeugsteuer. Einige hundert Dollars, je nach Autotype. Details dazu gibt es auf der NZTA Webseite. All das kann innerhalb weniger Minuten online bezahlt werden. Die neuseeländischen Behörden sind erstaunlich gut organisiert mit ihrer IT-Infrastruktur.

Führerschein

Wer nicht länger als 12 Monate bleibt, kann die Fahrerlaubnis des Heimatlandes nutzen. Hierbei ist es wichtig, entweder einen Internationalen Führerschein oder eine Übersetzung eines geprüften Übersetzers zusätzlich zum nicht-englischen Dokument bei sich zu haben. Bei einem Aufenthalt von mehr als 12 Monaten muss der Schein zu einer New Zealand Driving License umgewandelt werden, was aber wirklich schnell geht, wenn man alle dafür notwendigen Dokumente zur Hand hat.

Es gibt ein tolles Oldtimer Museum an der Kapiti Coast - einen Besuch wert!

Es gibt ein tolles Oldtimer Museum an der Kapiti Coast – einen Besuch wert!

 

Weiter: 9. Pack deine Sachen und flieg

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